KongressE
Naturnahe Waldwirtschaft
Bilanz und Blick in die Zukunft
HINTERGRUND
Mit dem Konzept „Naturnaher Waldbau“ legte die Landesforstverwaltung
Baden-Württemberg (heute: ForstBW) Anfang der 1990er Jahre eine umfassende Darstellung ihres waldbaulichen Gesamtkonzepts vor. Dabei handelte es sich nicht um eine plötzliche
Neuorientierung der waldbaulichen Praxis; im Wesentlichen wurden in dem Konzept die in den 1970er und 1980er Jahren eingeleiteten
Entwicklungslinien programmatisch zusammengefasst. Diese hatten zu einer Abkehr von schematisierenden Waldbauverfahren
mit starker Betonung produktiver Nadelbaumarten, Pflanzung und intensiver Wirtschaft geführt, die in den Nachkriegsjahren entstanden waren.

Mit dem Konzept „Naturnaher Waldbau“ erfolgte eine konsequente
Hinwendung zur Ausnutzung eigendynamischer natürlicher
Prozesse. Besondere Merkmale des Konzeptes sind unter anderem die Berücksichtigung der standörtlichen Eignung bei der Wahl der Baumarten, das Ziel einer maßgeblichen Beteiligung der natürlichen Baumarten am Waldaufbau, das Mischwaldprinzip sowie die konsequente Ausnutzung des Potentials der Wälder zur Naturverjüngung. Insbesondere durch die Ausnutzung der standörtlichen
Gegebenheiten für eine adäquate Baumartenmischung und dem Ziel der Bereitstellung wertvollen Starkholzes in langen Produktionszeiträumen trägt das Konzept wesentlich zur biologischen
und strukturellen Vielfalt des Waldes bei.
Zwanzig Jahre nach der Formulierung des Konzeptes ist es nun Zeit für eine Zwischenbilanzierung und darauf aufbauenden
Überlegungen für eventuell erforderliche programmatische Anpassungen. In diesem Zusammenhang erscheint die Frage von besonderer Bedeutung, wie die neuen Herausforderungen der sich gegenwärtig rasch ändernden Klima-, Standorts- und Umweltverhältnisse gemeistert werden können.
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